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PR-Agentur vs. Pressestelle: Was passt besser zu dir?

PR-Agentur vs. Pressestelle: Was passt besser zu dir?

PR-Agentur oder Pressestelle: Die Frage, wo man lieber arbeiten möchte, stellt sich jede*r PR-Schaffende irgendwann. Ich habe beides ausprobiert: Nach zwei Jahren in einer kleinen PR-Agentur, bin ich jetzt seit knapp drei Jahren auf Unternehmensseite tätig.

Für mich hat beides Vor- und Nachteile und es war spannend, beide Seiten kennenzulernen. Bei meiner Recherche für diesen Artikel ist mir außerdem aufgefallen, dass der Unterschied anscheinend nicht mehr so groß ist, wie es einmal war. PR-Agenturen und Pressestellen nähern sich einander an. Dennoch haben Agenturen weiterhin mit dem Ruf als unterbezahlte Workaholics zu kämpfen.

Inwieweit PR-Agenturen und Pressestellen sich unterscheiden, habe ich dir hier zusammengestellt.

Kund*innen und Themen

In der PR-Agentur betreust du in der Regel mehrere Kund*innen parallel, was deine Arbeit vielseitig und spannend macht. Während du deine Zeit aufteilen musst, verhalten viele Kund*innen sich aber so, als wärst du nur für sie zuständig. Das erfordert ein gutes Zeitmanagement und starke Nerven. Es härtet aber auch ab: Seit ich auf Unternehmensseite arbeite, habe ich schon öfter gesehen, wie Kolleg*innen ohne Agentur-Erfahrung in stressigen Situationen panisch wurden – während ich selbst ganz ruhig bleiben konnte.

Stress auf der Arbeit

Im Unternehmen hast du dagegen nur einen einzigen Kunden, deinen Arbeitgeber. Du wirst zum/zur Kommunikations-Expert*in für diese eine Branche und kannst deine ganze Energie auf die eine Sache fokussieren. Das kann nach einer Weile eintönig werden, wenn es keine Möglichkeit gibt, sich weiterzuentwickeln. Andererseits umfasst die Unternehmenskommunikation auch Bereiche wie zum Beispiel interne Kommunikation, die in der PR-Agentur selten eine Rolle spielen.

Interne oder externe Abstimmung

An Diskussionen und Abstimmungen kommst du weder in der Agentur noch im Unternehmen vorbei. Es kommt mehr darauf an, mit wem du dich abstimmen musst.

PR-Agenturen sind Dienstleister und die Kund*innen stehen im Mittelpunkt. Während viele Unternehmen Agenturen für ihre Kreativität schätzen und sich gerne beraten lassen, haben andere ganz konkrete Vorstellungen wie ihre PR aussehen soll. Leider fehlt ihnen aber oft das nötige Hintergrundwissen. Als Selbstständige*r entscheidest du mit wem du zusammenarbeitest und kannst unliebsame Kund*innen notfalls auch ablehnen, aber in der Agentur ist das selten deine Entscheidung. Du bist aber die Person, die sich am Ende mit den Kund*innen auf eine Strategie einigen und benötigte Budgets rechtfertigen muss.

Im Unternehmen hast du mehr Entscheidungsfreiheit, aber auch hier handelst du nicht im Alleingang. Abstimmungen mit deinen/deiner Vorgesetzten oder anderen Teams gehören sowohl bei der Strategie-Planung als auch im PR-Alltag dazu.

Teamübergreifende Projekte

Hier kommt es ganz auf die Größe deines Arbeitgebers an. Weder in einer kleinen PR-Agentur noch in einem sehr kleinen Unternehmen wirst du oft Gelegenheit für interdisziplinäre Projekte haben.

Teamwork

PR-Agenturen, die sich auf klassische PR-Tätigkeiten beschränken, kommunizieren für ihre Kund*innen vorwiegend mit der Presse. Eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunikationsdisziplinen ergibt sich hier nur selten. Meiner Meinung nach werden diese Agenturen dem Anspruch moderner Kommunikation aber auch nicht mehr gerecht. Interessant sind in diesem Zusammenhang Full-Service-Agenturen, die neben Medienarbeit auch Social Media und Community Management bieten oder eigene Designer*innen und Videograf*innen beschäftigen. Auch wenn du hier erstrangig im Bereich PR arbeitest, kooperierst du viel mit den Kolleg*innen der angrenzenden Teams.

Viele kleine Unternehmen beschäftigen eine*n Kommunikator*in, der/die von Medienarbeit und Social Media bis hin zum Newsletter und interner Kommunikation für alles verantwortlich ist. Größere Unternehmen – und Unternehmen, die verstanden haben wie wichtig eine gute Kommunikation ist – sind besser aufgestellt. Projekte, die über mein PR-Team hinausgehen, mache ich zum Beispiel am liebsten!

Arbeitszeit und Work-Life Balance

Sowohl in der Agentur als auch in der Pressestelle bin ich schon oft über die vertraglichen 40 Wochenstunden gekommen. Dass Dienst nach Vorschrift in der PR nur selten möglich ist, sollte jedem/jeder, der/die in der Branche arbeiten will, klar sein. Wenn es darum geht, noch eine wichtige Presse-Anfrage zu beantworten oder die Deadline für ein Projekt zu schaffen, dann bleibt man – egal ob in der Agentur oder im Unternehmen.

Das zeigt auch eine Umfrage von Statista (leider schon recht alt von 2010): Über 55% der Befragten sowohl in Pressestellen als auch Agenturen arbeiten zwischen 40 und 50 Stunden pro Woche. Ganz abschütteln können die PR-Agenturen das Bild der überarbeiteten Berater*innen aber nicht: Es geben durchweg mehr Agentur-Mitarbeiter*innen an, über 46 Stunden pro Woche zu arbeiten. Währenddessen ist der Anteil der Pressestellen-Mitarbeiter*innen, die weniger als 40 Stunden arbeiten, immer höher.

Arbeitszeit Pressestelle PR-Agentur Statista
Quelle: Wochenarbeitszeit von Pressestellen- und Agenturmitarbeitern, 23. November 2010, Statista

Das liegt sicherlich auch daran, dass PR-Agenturen unter einem anderen Druck stehen. Wie schon erwähnt, sind PR-Agenturen Dienstleister und die Kund*innen bestimmen mit. Aus Angst diese zu verlieren, akzeptieren viele Agenturen zeitliche Vorgaben, auch wenn diese kaum zu schaffen sind. Hinzu kommt, dass PR-Berater*innen öfter reisen, um Kund*innen zu besuchen oder vor Ort auf Veranstaltungen zu unterstützen. Meiner Erfahrung nach ist es wichtig, offen mit deinen Vorgesetzten zu sprechen, wenn sich die Überstunden auf deinem Konto türmen. In den meisten Fällen kann man sich einigen.

Gehalt

Das Gehalt in der Medien- und Kommunikationsbranche ist ein viel diskutiertes Thema. Insbesondere für das PR-Volontariat wird regelmäßig bessere Bezahlung gefordert, was auch eines der großen Themen im PR Report Camp 2019 war. Interessant fand ich vor allem die Erkenntnis, „dass Unternehmen Berufsanfänger nicht per se besser bezahlen als Agenturen“. [Quelle: PRReport] Denn die niedrige Bezahlung ist einer der Gründe, weswegen viele Kommunikatoren sich gegen die Arbeit in der Agentur entscheiden.


Was du außer dem Gehalt bei der Wahl deines PR-Volontariats beachten solltest, habe ich hier aufgeschrieben.


Dennoch bezahlen Unternehmen im Schnitt besser als Agenturen wie eine Umfrage von newsaktuell und Faktenkontor zeigt. In einer Zusammenfassung auf horizont.net heißt es: „In Pressestellen von Unternehmen wird mehr Kohle verdient als in PR-Agenturen. Ein Sachbearbeiter in der Kommunikationsabteilung eines Unternehmens kommt auf ein Bruttogehalt von 3.500 Euro. Der Junior-Berater einer PR-Agentur verdient im Durchschnitt nur 3.000 Euro monatlich.

Sowohl in Pressestellen als auch in Agenturen kommt es auf die Branche und Größe des Unternehmens an. Kommunikatoren in der IT-Branche verdienen mehr als PRler*innen für Mode oder Tourismus. Je nach Größe des Unternehmens ergeben sich auch ganz andere Aufstiegschancen und damit einhergehende Gehälter – sei es die Leitung Unternehmenskommunikation oder der Account Director in einer Agentur.


Weitere Zahlen und Fakten über die PR-Branche findest du in diesem Beitrag.


Atmosphäre und Aufstiegschancen

Die meisten Kommunikatoren beginnen ihre Karriere in einer Agentur. So war es bei mir auch und ich glaube immer noch, dass das eine gute Entscheidung war. Tendenziell arbeiten in PR-Agenturen mehr junge Menschen, während in Pressestellen auch ältere Mitarbeiter zu finden sind. PR-Agenturen (und Startups) gelten als flexibel und innovativ mit flachen Hierarchien, während Unternehmen oft durch ihre Strukturen ausgebremst werden. Aber ich will hier nicht verallgemeinern: Nicht alle große Unternehmen stecken in verkrusteten Strukturen fest.

Für Berufseinsteiger*innen bieten PR-Agenturen oft schnellere Aufstiegschancen. Es zählt nicht nur, wie lange du schon in der Agentur tätig bist, sondern kommt vor allem auch darauf an, wie viele Kund*innen du betreust und wie zufrieden diese mit dir sind.

Kunden betreuen PR-Agentur

Langfristig sind die Entwicklungsmöglichkeiten in PR-Agenturen beschränkt, vor allem wenn die Agentur sich auf eine bestimmte Nische fokussiert. Natürlich kannst du mehr und mehr Kund*innen betreuen und jede*r stellt dich vor neue Herausforderungen, aber große Veränderungen gibt es nach einer Weile nicht mehr.

Fazit: PR-Agentur oder Pressestelle?

Mit der Frage ist es wie mit so vielen Dingen im Leben: Beide Seiten haben ihre Vor- und Nachteile und am Ende musst du entscheiden, was dir mehr liegt. Ich glaube, dass man am meisten lernt, wenn man beide Seiten ausprobiert. Und heutzutage arbeiten sowieso die wenigstens von uns ihr Leben lang im gleichen Unternehmen.


Wo arbeitest du und wie gefällt es dir? Hast du vielleicht auch schon beides ausprobiert? Ich würde mich freuen, von deiner Erfahrung zu hören!

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